Lehrveranstaltung 16S ‚Kritisch-Psychologische Zugänge zu Psychotherapie‘

SE 160.499 Kritisch-Psychologische Zugänge zu Psychotherapie 16S (im ZEUS anzeigen)

Das von Studierenden organisierte Seminar knüpft an das PS „Einführung in die Kritische Psychologie“ aus dem vergangenen Wintersemester an, kann jedoch unabhängig davon besucht werden. Nachdem wir uns im Wintersemester auf breiter Basis mit den grundlegenden Ansätzen der Kritischen Psychologie nach Holzkamp beschäftigt haben, wollen wir jetzt versuchen, dieses Paradigma auf die klinische Psychologie und Psychotherapie anzuwenden. Gerade in Klagenfurt interessieren sich die allermeisten Studierenden für diese Anwendungsfächer und wollen sich auch beruflich in diese Richtung entwickeln. Daher sehen wir die Notwendigkeit, die grundlegenden Kritiken und Ideen der Kritischen Psychologie auf die psychotherapeutische Praxis anzuwenden und reflexiv für unsere eigene berufliche Zukunft zu erarbeiten.

Inhaltlich wollen wir uns auf der einen Seite mit den institutionellen, gesellschaftlichen und den damit zusammenhängenden subjektiven Verwicklungen der Psychotherapeut_innen annehmen und herausfinden, ob und wenn ja wie ein emanzipatorischer Anspruch innerhalb einer psychologischen Therapie umgesetzt werden kann. Auf der anderen Seite wollen wir uns den Betroffenen zuwenden und uns kritisch-psychologische Fragestellungen nach dem Begriff psychischen Leidens, Konflikthaftigkeit und sozialen Bedingungen, welche diese erzeugen, widmen.
Ziel des Seminars ist eine reflexive Auseinandersetzung mit kritisch-psychologischen Ansätzen bezogen auf Psychotherapie, die helfen soll, in der späteren Praxis gemeinsam mit den Betroffenen Strategien zu entwickeln, wie psychisches Leiden gemildert werden kann ohne zu psychologisieren.

Der modulare Aufbau des Seminars besteht aus zwei einführenden Veranstaltungen, für die kein Vorwissen notwendig ist und die als Vorträge stattfinden sollen. Anschließend beginnt der Teil des Seminars, für die wir uns intensiv mit den traditionell-psychologischen Vorstellungen zu einzelnen Themen auseinandersetzen wollen und kritisch-psychologische Ideen und Texte dazu ins Verhältnis setzen wollen. Die Module des zweiten Seminarteils sind von der Vorstellung her wie Workshops organisiert, in dem nach Kurzreferaten einzelner Teilnehmender über den „Mainstream“-Diskurs zum Thema sich gemeinsam anhand von theoretischen Texten aus der Kritischen Psychologie und Einzelfallbeschreibungen aus der klinischen Praxis eine der Subjektwissenschaft angebrachte Vorstellung entstehen soll. Die Ergebnisse des Seminars sollen anschließend publiziert werden.

So sollen die beiden einführenden Vortragstermine Studierenden die Möglichkeit geben, sich über das Seminar informieren und eine Teilnahme in Erwägung ziehen zu können. Das Seminar hat einen hohen Anspruch, der sich einerseits wegen des Leseaufwandes theoretischer Texte, andererseits aus dem reflexiven Anspruch an die Teilnehmenden ergibt. Im zweiten Teil des Seminars ist daher das Lesen der Texte und die Anwesenheit bei den Terminen unbedingt erforderlich.

Das Seminar versteht sich als basisdemokratisches Bildungsprojekt, wobei der Ablauf des Seminars, die Inhalte und die gemeinsame Art der Aneignung der Themen jederzeit zur Diskussion stehen dürfen. Das Organisationsteam versteht sich dabei als Gruppe, die den Rahmen schafft, allerdings während des Seminars selbst teilnimmt und keine „höhere“ Position gegenüber den anderen Studierenden hat. Die sicherlich vorhandenen Wissensvorsprünge innerhalb der Teilnehmenden ergänzen sich unserer Vorstellung nach gegenseitig, bspw. können Studierende mit Praxiserfahrungen in der klinischen Psychologie diesen mit kritisch-psychologischen Vorwissen helfen und umgekehrt.

Das Seminar (vier ECTS) kann im Bachelorstudium Psychologie im Wahlpflichtfach „Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse“ und im Master als freies Wahlfach angerechnet werden.

Themenvorschläge und weitere Einzelheiten im ZEUS und unter kritischepsychologie.blogsport.at